Infantile Zerebralparese – Überzeugende Evidenz für den Einsatz perinataler Stammzellen
Leipzig, 15. Juli 2025 – Zerebralparesen (CP) zählen weiterhin zu den häufigsten motorischen Behinderungen im Kindesalter und gehen mit dauerhaften Bewegungseinschränkungen und Spastik einher. Im Rahmen der 37. Jahrestagung der European Academy Of Childhood-onset Disabilities (EACD) und dem 4. Treffen der International Alliance of Academies of Childhood Disability (IAACD) vom 24. – 28.06.2025 in Heidelberg wurde das therapeutische Potenzial von Stammzellen aus Nabelschnurblut und -gewebe erörtert. Im Rahmen eines durch die FamiCord AG unterstützten Symposiums legten internationale Expertinnen den aktuellen Stand der Forschung dar und berichteten über die Ergebnisse aus der klinischen Praxis.
Klare Empfehlung für die Anwendung von Nabelschnurblut bei CP
Prof. Iona Novak von der Faculty of Medicine and Health der University of Sydney, betonte in ihrem Vortrag die heterogene Zusammensetzung von Nabelschnurblut (NSB). Entsprechend vielfältig seien Eigenschaften, Wirkmechanismen und therapeutisches Potenzial von NSB – auch für die Anwendung bei neurologischen Störungen im Kindesalter. Ihr systematischer Review der aktuellen Evidenz für Strategien zur Prävention und Behandlung von CP ergab ein klar positives Ergebnis für den Einsatz von NSB.1 Auch mit der Anwendung von Zellprodukten aus mesenchymalen Stammzellen (MSC), die aus Nabelschnurgewebe gewonnen werden können, konnten vielversprechende Ergebnisse erreicht werden, wobei die antiinflammatorische Wirkung von MSCs im Vordergrund steht.1 „Wir brauchen mehr Studien, die nicht allein die motorischen Funktionen von Patient:innen betrachten, sondern auch die Verbesserung von Kognition, Konzentration und Kommunikationsfähigkeit berücksichtigen, um das Potenzial unterschiedlicher Stammzellpopulationen aus Nabelschnurblut und -gewebe weiter auszuloten,“ schloss Novak.
Monozyten aus NSB können Heilungsprozesse im Gehirn anregen
Im Anschluss gab Prof. Joanne Kurtzberg von der Duke University School of Medicine in Durham, USA einen Überblick über ihre vielfältigen klinischen Studien zum Einsatz von NSB bei unterschiedlichen neuronalen Störungen – darunter CP, Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE). „Monozyten, die aus CD34+ hämatopoetischen Vorläuferzellen des NSB hervorgehen, können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und durch parakrine Signalübertragung Heilungsprozesse begünstigen,“ erläuterte Kurtzberg. Eine randomisierte Placebo-kontrollierte Studie mit 63 Patient:innen mit CP im Alter von 1–6 Jahren belegt, dass durch die Gabe von ≥ 2 x 107 Gesamtzahl kernhaltiger Zellen (Total Nucleated Cell Count, TNCC) 12 Monate nach der Behandlung eine signifikante Verbesserung der motorischen Funktionen erreicht werden kann.2 Dabei war die Verbesserung des Gross Motor Function Measure (GMFM-66)-Scores um 4,3 Punkte im Median mit einem signifikanten Anstieg der normalisierten Konnektivität des gesamten Gehirns assoziiert.2
Behandlung mit autologem NSB verbessert die Funktionalität bei CP
Prof. Magdalena Chrościńska-Krawczyk, Leiterin der pädiatrisch-neurologischen Klinik am University Children’s Hospital in Lublin, Polen, untersucht den Effekt von zellbasierten Therapien aus NSB und Nabelschnurgewebe unter Real-World-Bedingungen.3,4 Sie berichtete über den Fall eines 2-jährigen männlichen Patienten mit CP, der zweimal im Abstand von 2 Monaten mit autologem NSB behandelt wurde (TNCC: 28,5 x 107 und 114,1 x 107).4 Die Behandlung wurde gut vertragen, unerwünschte Effekte wurden im Nachbeobachtungszeitraum von 12 Monaten nicht berichtet. Infolge der Therapie verbesserte sich die Hemiparese des Jungen, insbesondere die Funktion der linken Hand, und es kam zu einer besseren Kontrolle der Körperhaltung. Darüber hinaus zeigte der Patient eine deutlich verbesserte kognitive Funktion und einen sprunghaften Anstieg der Sprachfähigkeit.4 „Die Wirkung einer Behandlung mit autologem NSB ist sehr individuell, ihr Einfluss auf die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen ist dabei oft immens,“ betonte Chrościńska-Krawczyk abschließend.
Vier zentrale Faktoren für die Wirksamkeit einer Therapie mit NSB
Die drei Expertinnen waren sich einig, dass der Erfolg einer Therapie mit NSB maßgeblich vom Alter des Kindes, dem Grad der Beeinträchtigung sowie der TNCC im NSB abhängt.2,3 Je früher eine Behandlung initiiert werde und je mehr Zellen zur Verfügung stünden, desto aussichtsreicher die Therapie.2,3 „Insbesondere Patient:innen, von denen zu erwarten ist, dass sie im Verlauf ihrer Entwicklung Laufen lernen werden, profitieren von der Therapie“, ergänzte Novak. Grundvoraussetzung ist die Verfügbarkeit von NSB. Die Einlagerung von NSB für die autologe Anwendung kann daher als besondere Vorsorgemaßnahme betrachtet werden.
Über FamiCord AG
Die FamiCord AG ist ein 1997 gegründetes Unternehmen mit Sitz in Leipzig und ist nicht nur die führende Stammzellenbank Europas, sondern auch die drittgrößte weltweit. Angetrieben durch den Leitgedanken, allen Menschen eine gesündere Zukunft zu ermöglichen, erbringt die FamiCord AG als Full-Service-Anbieter mit weltweit rund 800 Mitarbeiter:innen alle Leistungen rund um die Gesundheitsvorsorge mit Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe.
Quellen
1. Novak I et al. Curr Neurol. Neurosci Rep. 2020;20(2):3.
2. Sun JM et al. Stem Cells Transl Med. 2017;6(12):207-2078.
3. Chrościńska-Krawczyk M et al. Stem Cell Rev Rep. 2024;20(6):1636-1649.
4. Case study presented by Chrościńska-Krawczyk M. at EACD & IAACD 2025, Heidelberg. Data ahead of publication.